London liebt seine großen Wiedergeburten. In Bayswater, nur wenige Schritte vom Hyde Park entfernt, erlebt gerade ein Gebäude mit legendärer Vergangenheit ein neues Leben. Das Whiteley, einst eines der elegantesten Kaufhäuser der viktorianischen Metropole, beherbergt nun das erste Haus der Marke Six Senses London im Vereinigten Königreich. Hinter der restaurierten Fassade verbirgt sich ein Hotel, das Geschichte, Design und eine neue Vorstellung von urbanem Wohlbefinden miteinander verbindet – leise, stilvoll und mit einem Gespür für Atmosphäre.
Das Gebäude selbst trägt eine lange Erinnerung in sich. Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, war The Whiteley eines der ersten großen Warenhäuser Londons und über Jahrzehnte ein Ort für Neugier, Luxus und Entdeckung. Die jüngste Transformation bewahrt diese Geschichte, ohne nostalgisch zu wirken. Das New Yorker Studio AvroKO entwickelte gemeinsam mit EPR Architects eine Innenarchitektur, die Art-déco-Elemente, britische Handwerkstradition und moderne Linien in ein überraschend ruhiges Gleichgewicht bringt. Materialien wie Holz, Stein und Textilien in tiefen Blau- und Naturtönen schaffen eine Atmosphäre, die eher an eine private Residenz erinnert als an ein klassisches Stadthotel.


109 Zimmer und Suiten verteilen sich auf mehrere Ebenen, ergänzt durch 14 private Residenzen. Viele Räume öffnen sich mit Terrassen oder großzügigen Fensterfronten zur Stadt. Statt spektakulärer Effekte setzt das Design auf Zurückhaltung: warme Holzoberflächen, weiche Stoffe, klare Linien und viel Licht. Die Whiteley-Suite bildet den Höhepunkt des Hauses. Mit ihrer großzügigen Dachterrasse über den Dächern von Bayswater lässt sich hier sogar eine ganze private Etage gestalten – ein Rückzugsort mitten in der Stadt.

Ein architektonisches Herzstück bildet die große Treppe im Zentrum des Hauses. Sie gehörte bereits zum ursprünglichen Kaufhaus, wurde für die Restaurierung vollständig zerlegt und in aufwendiger Handarbeit neu aufgebaut. Heute windet sie sich über mehrere Etagen bis hinauf zu einer gläsernen Kuppel, durch die Tageslicht tief ins Gebäude fällt. Der Weg nach oben wirkt fast wie eine kleine Reise durch das Haus – von der historischen Substanz bis zur offenen, lichtdurchfluteten Dachzone.


Wie in allen Häusern der Marke spielt Wellness eine zentrale Rolle, allerdings nicht als abgeschotteter Spa-Bereich, sondern als Teil eines ganzheitlichen Aufenthalts. Auf rund 2.300 Quadratmetern entfaltet sich eine Welt aus Bewegung, Ruhe und Regeneration. Neben einem 20-Meter-Pool gehört auch Londons erster Hotel-Magnesiumpool zum Konzept, der Muskelentspannung und Erholung unterstützen soll. Yoga-Studios, Räume für achtsame Bewegung sowie Behandlungsbereiche für Kryotherapie, Flotation oder Rotlichttherapie ergänzen das Angebot.



In der sogenannten Biohacking Recovery Lounge trifft moderne Technologie auf den Wunsch nach schneller Regeneration. Klangliegen, Kompressionssysteme, Elektromuskelstimulation oder Inversionstische bilden eine Art Labor für urbane Erholung – gedacht für Gäste, die zwischen Meetings, Flügen und Terminen einen Moment der Balance suchen. Ergänzt wird das Angebot durch ein Wellness Centre, das mit Biomarker-Analysen und funktionellen Screenings individuelle Programme rund um Schlaf, Stoffwechsel oder Stressmanagement entwickelt.


Auch kulinarisch folgt das Haus der Idee eines bewussten Genusses. Im Restaurant Whiteley’s Kitchen interpretieren Executive Chef Eliano Crespi und Head Chef Jose Jara britische Küche neu – saisonal, pflanzenbetont und mit traditionellen Techniken wie Fermentation oder offener Flamme. Ein eigenes Fermentationslabor produziert Koji-Kulturen und andere Fermente, die Gerichten zusätzliche Tiefe geben. Die Bar arbeitet mit botanischen Essenzen und Destillaten, die teilweise in der hauseigenen Alchemy Bar entstehen – einer Art moderner Apotheke, in der Gäste aus Kräutern und Pflanzen eigene Tinkturen und Tonics herstellen können.
Über der Lobby liegt mit dem Six Senses Place ein Raum, der die Idee des Hotels in eine soziale Dimension erweitert. Der Mitgliederclub verbindet Wellness, Begegnung und kulturelle Programme und richtet sich nicht nur an Reisende, sondern auch an Londoner selbst. Gespräche, Rituale, Workshops oder gemeinsame Aktivitäten bilden ein ganzjähriges Programm, das Gemeinschaft und Austausch in den Mittelpunkt stellt.


Das Projekt ist zugleich Teil einer größeren städtebaulichen Entwicklung. The Whiteley wurde zu einem gemischt genutzten Quartier mit Wohnungen, Geschäften und öffentlichen Bereichen umgestaltet. Die architektonische Planung stammt von Foster + Partners, während nachhaltige Technologien, begrünte Dachflächen und ein konsequenter Verzicht auf Einwegplastik zum Konzept gehören. Über 1.100 Quadratmeter Dachgärten schaffen neue Lebensräume für Pflanzen und Insekten – kleine grüne Inseln über den Straßen der Stadt.
Mit seiner Eröffnung reiht sich das Haus in eine neue Generation urbaner Projekte der Marke ein, neben Häusern wie Six Senses Rome oder Six Senses Kyoto. Die Idee bleibt dabei dieselbe: Orte zu schaffen, die mehr sind als Hotels – Räume, die Architektur, lokale Kultur und das Bedürfnis nach Ruhe inmitten der Stadt zusammenbringen. In Bayswater bedeutet das vor allem eines: Ein historisches Gebäude wird wieder zum Treffpunkt. Nicht als Kaufhaus wie früher, sondern als Ort, an dem London für einen Moment langsamer wirkt. Weitere Informationen unter SIX SENSES LONDON