von Bernard Werkmeister
Die Welt der klassischen Automobile lebt von Disziplin, Materialgefühl und einer Form von Eleganz, die nicht erklärt werden muss, sondern sich im Detail zeigt, in der Linie eines Kotflügels ebenso wie im Griff eines Lenkrads, und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich seit Jahrzehnten die Verbindung von Loro Piana mit historischen Fahrzeugen, Rallyes und Concours d’Élégance. Diese Nähe ist keine nachträgliche Markenstrategie, sondern gewachsen aus einer familiären Leidenschaft für das Fahren selbst, für Wettbewerbe, bei denen Präzision wichtiger ist als Geschwindigkeit und Stil kein Attribut, sondern Voraussetzung. Als sich Ende der achtziger Jahre eine Gruppe von Sammlern und Enthusiasten formierte, um unter dem Namen Rosso Corsa, später als Loro Piana Classic Car Team, an internationalen Rallyes teilzunehmen, entstand ein Auftritt, der sich deutlich von der übrigen Szene abhob, nicht durch Lautstärke, sondern durch Konsequenz. Fahrzeuge trugen das Emblem des Hauses nicht als Signal, sondern als selbstverständliche Markierung einer Haltung, Uniformen in Marineblau, Gelb und später Gold übersetzten sportliche Funktion in eine visuelle Sprache, die bis dahin im Motorsport ungewohnt war.









Die Wettbewerbe wurden zu realen Testfeldern, zu offenen Laboren, in denen Stoffe, Schnitte und Schutzfunktionen unter Bedingungen erprobt wurden, die kein Atelier simulieren kann, Wind, Kälte, Konzentration, lange Tage hinter dem Steuer, Momente stiller Anspannung ebenso wie kontrollierter Bewegung. Aus dieser Praxis heraus entstand ein Kleidungsstück, das bis heute als Essenz dieser Verbindung gilt, die Roadster-Jacke, entworfen für das Fahren, nicht für das Bild, mit Details, die aus Erfahrung entstanden sind und nicht aus Dekoration, von der Sonnenbrillentasche bis zum doppelten Rückenschlitz, eine klare Silhouette, die Bewegungsfreiheit zulässt und zugleich Schutz bietet, reduziert im Ausdruck und präzise in der Funktion. Parallel dazu schrieb das Team eine eigene Erfolgsgeschichte im historischen Motorsport, mit Titeln, Siegen und Auftritten bei legendären Veranstaltungen wie der Mille Miglia oder der Coppa d’Oro delle Dolomiti, bis hin zu internationalen Concours, bei denen Fahrzeuge weniger bewertet als gelesen werden, als kulturelle Zeugnisse einer Epoche, in der Technik und Ästhetik noch untrennbar verbunden waren. Diese Haltung setzt sich heute in der Partnerschaft mit The I.C.E. St. Moritz fort, jenem Winter-Concours, der klassische Automobile auf den gefrorenen See verlegt und das traditionelle Format in eine dynamische, fast poetische Bewegung übersetzt, bei der Motoren nicht dominieren, sondern Teil einer größeren Choreografie aus Eis, Licht, Geräusch und Landschaft werden.


Die eigens entwickelte Capsule Collection greift diese Idee auf, interpretiert die Roadster-Linie mit neuen Materialien und Texturen, bleibt nah an Funktion und Substanz und verzichtet bewusst auf Effekte, sichtbar auch in der temporären Präsenz vor Ort, in einem eigens inszenierten Pop-up und Schaufenster, das mit frostigen Oberflächen, grafischen Chevron-Mustern und Miniatur-Vintage-Autos arbeitet, die wie beiläufig über eine verschneite Szenerie gleiten und das Thema Bewegung auf subtile Weise aufnehmen. Auch jenseits des Tagesgeschehens setzt sich diese Erzählung fort, etwa bei einem Dinner im Chalet Salastrains, das für eine Nacht in eine alpine Traumlandschaft verwandelt wurde, mit gedämpftem Licht, Feuerstellen entlang des Zugangs, historischen Anspielungen auf die Engadiner Skikultur und einer Atmosphäre, die eher an ein privates Treffen von Gleichgesinnten erinnerte als an ein Society-Event.









Unter einem Baldachin aus Grün und Licht kamen Gäste zusammen, deren Namen weniger für Prominenz als für Haltung stehen, darunter Maria Luisa Loro Piana und Vittoria Loro Piana, Francesco Ruffo di Calabria und Paola Ruffo di Calabria, Costantino Rivetti und Scilla Rivetti, Jay Krehbiel und Silvia Krehbiel, Gstaad Guy sowie Isolde Kostner, begleitet von einer Küche, die alpine Herkunft und zeitgenössische Präzision verband, kuratiert von Riccardo Gaspari, dessen Handschrift für eine neue Generation alpiner Gastronomie steht und die Idee von Regionalität nicht als Konzept, sondern als Selbstverständnis interpretiert. Gespräche entwickelten sich entlang von Materialfragen, von Handwerk, von Bewegung und Zeit, während draußen die Kälte den Rahmen setzte und drinnen eine konzentrierte Ruhe herrschte, die den Abend trug. In dieser dichten Abfolge aus Fahrt, Stoff, Raum, Inszenierung und Begegnung wird deutlich, dass es hier nicht um Rückblick oder Nostalgie geht, sondern um Kontinuität, um eine Vorstellung von Luxus, die aus Präzision, Ruhe und innerer Logik entsteht und die Welt der klassischen Automobile nicht zitiert, sondern aus ihr heraus weiterdenkt.
Fotos: Loro Piana The I.C.E. 2026