Stauraummöbel gelten traditionell als ruhige Begleiter im Interior – funktional, klar, oft bewusst zurückhaltend gestaltet. Die deutsche Möbelmanufaktur Kettnaker zeigt mit der neuen Oberfläche WAVE, dass sich diese Rolle neu denken lässt. Auf den Munich Design Days 2026 präsentierte das Unternehmen erstmals eine metallische Materialentwicklung, die Frontflächen in ein lebendiges Relief verwandelt und Möbeln eine überraschend skulpturale Präsenz im Raum verleiht.
Entwickelt wurde WAVE für die Programme SOMA und CASE, zwei modulare Möbelsysteme des Herstellers. Die Oberfläche verändert dabei die Wahrnehmung des Möbels grundlegend. Statt einer ruhigen Fläche entsteht eine Struktur, die Licht einfängt, reflektiert und weiterträgt. Je nach Blickwinkel verändern sich Konturen, Schatten und Reflexe. Die Oberfläche wirkt mal weich und fließend, mal präzise und grafisch – fast so, als würde sich Licht über eine sanft bewegte Wasseroberfläche legen. Gerade in modernen Wohnkonzepten, in denen Möbel zunehmend als Teil eines architektonischen Gesamtraums gedacht werden, gewinnt diese Wirkung an Bedeutung. Oberflächen werden zu einem aktiven Gestaltungselement, das Atmosphäre erzeugt und Räume visuell strukturiert. Genau hier setzt Kettnaker mit WAVE an. Die metallische Struktur bringt Bewegung in den Raum, ohne laut zu wirken. Statt dekorativer Effekte entsteht eine subtile Dynamik, die sich erst im Zusammenspiel mit Licht vollständig entfaltet.


Die Entwicklung solcher Oberflächen gehört seit vielen Jahren zur gestalterischen DNA des Unternehmens. Die Kettnaker Möbelmanufaktur arbeitet bewusst an der Schnittstelle von industrieller Präzision und handwerklicher Fertigung. Neue Materialien entstehen in technisch anspruchsvollen Produktionsprozessen, werden gleichzeitig aber mit der Experimentierfreude einer Werkstatt weiterentwickelt. Das Ergebnis sind Serienmöbel mit einer Materialtiefe und Präsenz, die man eher von Einzelstücken oder Designobjekten erwartet. Für WAVE wurden drei unterschiedliche Farbnuancen entwickelt: Champagne, Bronze und Onyx. Jede Variante interpretiert das Relief auf eigene Weise und erzeugt eine eigene Raumwirkung.


Die Ausführung Champagne zeigt die Struktur in einem hellen, schimmernden Goldton. Reflexe bewegen sich sanft über die Oberfläche und verleihen dem Möbel eine ruhige, elegante Ausstrahlung. Das Licht wirkt weich und gleichmäßig, wodurch Sideboards oder Stauraummöbel eine fast schwebende Präsenz im Raum erhalten. Mit Bronze erhält die Oberfläche eine wärmere, tiefere Anmutung. Der Ton besitzt einen feinen Rosé-Schimmer und verbindet die Leichtigkeit von Champagne mit der stärkeren Materialwirkung von Onyx. Das Relief tritt etwas deutlicher hervor, die Lichtreflexe erscheinen präziser. Möbel in dieser Ausführung wirken ruhig, aber zugleich charakterstark. Die Variante Onyx interpretiert WAVE schließlich in einer tiefschwarzen, fast schwarzchromartigen Oberfläche. Hier verdichtet sich das Zusammenspiel von Licht und Struktur besonders intensiv. Die Reliefstruktur wird klarer sichtbar, Reflexe erscheinen kontrastreicher und verleihen dem Möbel eine markante architektonische Wirkung.
Interessant ist dabei, wie stark die Oberfläche das Verhältnis zwischen Möbel und Raum verändert. WAVE reflektiert nicht nur Licht, sondern bindet auch die Umgebung in seine Wirkung ein. Wände, Boden und angrenzende Materialien werden Teil der Reflexionen und verändern sich je nach Tageszeit oder Beleuchtung.


In den Programmen CASE und SOMA lässt sich die Oberfläche unterschiedlich einsetzen. Bei CASE prägt WAVE vor allem die Frontflächen der Möbel. Bei SOMA kann die Struktur zusätzlich auf Seitenflächen eingesetzt werden, wodurch die Volumen stärker im Raum wirken. So entsteht eine dreidimensionale Präsenz, die über die klassische Möbelgestaltung hinausgeht. Ein weiterer Aspekt liegt in der Kombination mit anderen Materialien. Die metallischen WAVE-Oberflächen lassen sich mit offenporigen Edelholzfurnieren, Lackflächen oder weiteren Materialien aus dem Kettnaker-Portfolio kombinieren. Dadurch entstehen Interieurs, die zwischen technischer Präzision und natürlicher Materialität balancieren.
Die Präsentation auf den Munich Design Days unterstreicht dabei auch die Rolle Münchens als Plattform für zeitgenössisches Interior- und Möbeldesign. Immer mehr Hersteller, Designer und Studios nutzen das Format, um neue Materialien, Oberflächen und Raumkonzepte zu zeigen. WAVE fügt sich in diesen Kontext ein – als Beispiel dafür, wie stark sich Möbel über Material und Lichtwirkung neu definieren lassen.
Kettnaker selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Möbelmanufaktur mit Sitz im schwäbischen Dürmentingen feierte 2020 ihr 150-jähriges Bestehen. Heute entstehen hier in fünfter Generation modulare Möbelsysteme, die vollständig Made in Germany produziert werden. Design, Entwicklung und Fertigung finden unter einem Dach statt, was eine ungewöhnlich große Materialvielfalt und Individualisierung ermöglicht.